Freitag, 20.10.2006
Literatur
20:00 Uhr / Koeppenhaus - Literaturzentrum
Volker Braun liest Lyrik und Prosa
Lesung und Gespräch in Kooperation mit NDR 1 Radio MV

Im Rahmen des NDR-Literaturcafé liest Volker Braun Lyrik und Prosa, u.a. aus seinem jüngsten Buch, dem 2004 erschienenen „Das unbesetzte Gebiet“.

Brauns historische Erzählung „Das unbesetzte Gebiet“ hat ein Kuriosum zum Thema, das sich in den ersten Tagen nach der deutschen Kapitulation im Erzgebirge zutrug. Geschildert wird die Geschichte der Stadt Schwarzenberg, die neben zwanzig weiteren Gemeinden sechs Wochen lang “Niemandsland“ blieb, da sie weder von den Amerikanern, noch von den Russen besetzt wurde.
Die Einwohner Schwarzenbergs müssen sich nun allein zurechtfinden, sich selbst verwalten und organisieren im Kampf gegen den Hunger und das Chaos. Es entsteht ein neues Wirtschaftssystem mit eigenem Geld und ein Postwesen mit eigenen Briefmarken. Die einmalige historische Chance, die die Menschen im heimatlosen Schwarzenberg hätten, nutzen sie nicht. Stattdessen warten sie absurderweise darauf, sich endlich wieder einem geregelten, ihnen auferlegten System unterordnen zu können. Denn „sie hatten die Freiheit nur geborgt oder gefunden; und besessen, um sie pflichtmäßig abzugeben“. Die Figur Winkler spricht aus, was alle denken: „Kommt doch! Besetzt uns! […] Befreit uns.“
Das Schicksal der Schwarzenberger endet mit dem Einzug der sowjetischen Armee, derer sie sich mit Erleichterung unterwerfen. Bereits Stefan Heym hat die Geschichte um Schwarzenberg beschrieben, allerdings mit einem optimistischeren Tonfall.
Braun zieht für sich die Bilanz, indem er festhält: „Es ist jetzt mein eignes Gebiet, das unbesetzt ist, von den Truppen der Doktrin und des Glaubens, und nur Hoffnung vielleicht siedelt, die uns betrügt und weiter trägt.“ Wie in dieser Erzählung beschäftigt Braun jenes Verhältnis, das die Menschen mit einem Staatssystem verbindet, sowie die unabänderliche Frage, inwieweit der Mensch in der Lage ist, ja überhaupt daran interessiert ist, sich dieses Verhältnis bewusst zu machen, aus vorhandenen Strukturen auszubrechen und einen neuen Weg zu erproben.

Volker Braun, der 1939 in Dresden geborenen wurde, zählt zu den wichtigsten Vertretern der deutschsprachigen Literatur. Nach dem Abitur hat er einige Jahre im Bergbau und als Tiefbauarbeiter im Kombinat Schwarze Pumpe gearbeitet, bevor er in Leipzig Philosophie studierte. Er war Mitglied der SED und Dramaturg am Berliner Ensemble. Seit 1972 arbeitete Braun am Deutschen Theater Berlin. 1982 verließ er den Schriftstellerverband der DDR. Seine Werke sind in der DDR zum Teil verboten worden und mußten Jahre auf ihre Veröffentlichung warten. Besonders bekannt ist er für seinen „Hinze-Kunze-Roman“, der 1985 erschien und mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde. 2000 wurde der Lyriker, Erzähler und Dramatiker mit dem renommierten Büchner-Preis ausgezeichnet. Volker Braun lebt heute in Berlin.

Der Eintritt beträgt 8,- Euro und 5,- Euro erm.
Der Vorverkauf findet im Café´Koeppen, im Antiquariat Dr. Ulrich Rose und in der Greifswalder Stadtinformation statt.


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Volker Braun liest Lyrik und Prosa
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